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Mittwoch, 22. April 2026 Mediadaten
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unten von links: Tenzin Tsundue, Marianne Heinemeyer, Mingma Lamo und Tenzin Wangchuk

Höxter (TKu). Man kann hier absolut von einer gelungenen Integration sprechen: Gemeint ist die Geschichte der Familie von Tenzin Tsundue in ihrer neuen Wahlheimat Höxter, die in der Vergangenheit mit vielen, zumeist bürokratischen Hürden verknüpft war. Die bewegte Geschichte, die hinter der Gründung des Sushi-Restaurants „Oshi“ in Höxter steht, zeugt von einer gelungenen Integration sowie von den schwierigen Hürden, die dabei zu nehmen waren.

Mit der Laden­eröffnung brachte die tibetische Familie Tsundue nicht nur Sushi nach Höxter, sondern auch ein Stück ihrer eigenen Geschichte und ursprünglichen Heimat – geprägt von Ausdauer, Unsicherheit und letztlich gelungener Integration. Bereits im Jahr 2006 kam Tenzin Tsundue nach Deutschland. Wie viele Migranten begann der 62-Jährige zunächst mit verschiedenen Tätigkeiten, arbeitete bis 2011 in unterschiedlichen Unternehmen und baute sich Schritt für Schritt eine Existenz auf. Doch Tenzin Tsundue hatte größere Pläne: Zwischen 2011 und 2012 absolvierte er eine Ausbildung zum Sushi-Koch. Anschließend arbeitete er mehrere Jahre in Köln in diesem Beruf und sammelte dort wertvolle Erfahrungen.

Ein entscheidender Meilenstein folgte im Januar 2015: Tenzin Tsundue erhielt die deutsche Staatsbürgerschaft. Währenddessen lebte seine Familie – Ehefrau Mingma Lamo und die drei gemeinsamen Kinder – ebenfalls in Köln, jedoch unter schwierigen Bedingungen. Sie verfügten lediglich über eine sogenannte Duldung, also keinen gesicherten Aufenthaltsstatus.

Besonders dramatisch wurde die Situation, als der Asylantrag von Mingma Lamo abgelehnt wurde und sie zur Ausreise verpflichtet werden sollte. Die Lage war kompliziert, wie die Lüchtringerin Marianne Heinemeyer berichtet, die die Familie bis heute betreut: Frau Lamo besaß keine anerkannten Ausweispapiere, sondern lediglich eine in Delhi ausgestellte indische Identitätskarte. Trotz der bestehenden Ehe mit einem deutschen Staatsbürger drohte die Abschiebung – ebenso wie ihrer Tochter Tsering Palmo, die bereits hervorragend Deutsch sprach, einen Arbeitsplatz hatte und sogar einen Studienplatz in Köln vorweisen konnte, aber dennoch abgeschoben wurde.

Gegen die Entscheidung legte die Familie Einspruch beim Verwaltungsgericht in Minden ein. In dieser kritischen Phase erwies sich die Unterstützung durch die Ausländerbehörde des Kreises Höxter als entscheidend. Insbesondere die Hilfe der Mitarbeiter Schrader und Temme trug dazu bei, eine kurzfristige Ausreise zu verhindern und der Familie Zeit zu verschaffen.

Auch juristisch blieb die Situation schwierig. Obwohl die Ehe von Tenzin Tsundue und Mingma Lamo in Indien rechtskräftig geschlossen wurde und entsprechende Dokumente, Übersetzungen sowie eidesstattliche Erklärungen vorlagen, wurde diese Verbindung in Deutschland zunächst nicht anerkannt. Die Konsequenz: Formal galten die gemeinsamen Kinder als „unehelich“ – ein Umstand, der nicht nur emotional belastend war, sondern auch rechtliche Folgen hatte, wie Marianne Heinemeyer beschreibt.

Im Jahr 2021 kam es schließlich zur Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht Minden. Die Klage wurde zwar abgewiesen, doch gleichzeitig stellte das Gericht fest, dass Mingma Lamo staatenlos ist. Da Tibet als Staat nicht existiert, konnte sie auch nicht abgeschoben werden. Zusätzliche Unterstützung ergab sich aus rechtlichen Einschätzungen der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages, wonach staatenlosen Personen ein Reiseausweis ausgestellt werden muss. Diese Grundlage ermöglichte es schließlich, den Aufenthaltsstatus von Mingma Lamo zu sichern. Sie erhielt zunächst eine Aufenthaltserlaubnis und später sogar einen gültigen Reisepass.

Parallel dazu arbeitete die Familie weiter an ihrer Zukunft. In Höxter eröffneten sie schließlich das Geschäft „Oshi Höxter“, das sich schnell einen Namen machte und in diesem Jahr seit genau zehn Jahren besteht. „Die Qualität des Sushis, die Freundlichkeit der Betreiber und die besondere Geschichte hinter dem Restaurant überzeugten viele Gäste. Heute gehört das Lokal fest zur gastronomischen Landschaft der Stadt“, sagt Heinemeyer.

Doch privat war der Weg noch nicht abgeschlossen. Da die Ehe in Deutschland weiterhin nicht offiziell anerkannt wurde und eine Nachbeurkundung nicht möglich war, entschied sich das Paar, hierzulande erneut zu heiraten. Obwohl über das Standesamt Höxter sowie über die Deutsche Botschaft in Delhi Nachforschungsaufträge zur Eheschließung erfolgt sind und auch beglaubigte Unterlagen sowie deren beglaubigte Übersetzungen vorliegen, wurde die Ehe vom deutschen Staat nicht anerkannt. Daher galten die drei Kinder der Familie weiterhin als „unehelich“.

Da eine Nachbeurkundung dieser Ehe nicht möglich war, musste die Familie Tsundue noch einmal nach deutschem Recht getraut werden, damit auch künftige Renten- beziehungsweise Erbansprüche rechtlich gesichert sind. „Auch hier standen wieder unsäglich viele Paragraphen im Weg, die erst überwunden werden mussten. Dank der großen Hilfe von Irmhild Schmidt vom Standesamt Höxter konnte nun endlich am 3. Mai 2024 geheiratet werden“, erklärt Marianne Heinemeyer dankbar.

Und nun feiern beide ihren „offiziellen“ zweiten Hochzeitstag am 3. Mai 2026. „Die Geschichte der Familie Tsundue zeigt eindrucksvoll, wie viel Kraft und Unterstützung nötig sind, um in einem neuen Land wirklich anzukommen – und wie bereichernd dieses Ankommen für eine ganze Stadt sein kann“, heißt es abschließend von Marianne Heinemeyer.

Foto: Thomas Kube

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