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Donnerstag, 26. März 2026 Mediadaten
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Ulrich Wickert kommt nach Höxter und hält die 22. Hoffmann-von-Fallersleben-Rede – Hier ein Foto bei seinem letzten Auftritt in der Region in Holzminden bei Stiebel-Eltron

Höxter/Corvey (TKu). Seine Stimme hat Generationen von Fernsehzuschauern durch bewegte Nachrichtenlagen begleitet, sein Abschiedsgruß „Ich wünsche Ihnen eine geruhsame Nacht“ ist bis heute unvergessen. Nun kehrt Ulrich Wickert noch einmal in den Fokus der Öffentlichkeit zurück – diesmal nicht im Fernsehstudio, sondern im historischen Kaisersaal von Schloss Corvey. Am Sonntag, 3. Mai, hält der renommierte Journalist die 22. Hoffmann-von-Fallersleben-Rede und widmet sich dabei einem Thema, das aktueller kaum sein könnte: „Nachdenken über Deutschland“. Dass Wickert diese Einladung angenommen hat, ist für die Veranstalter ein besonderer Glücksfall. „Eine außergewöhnliche Persönlichkeit“, nennt ihn Organisator Dr. Michael Stoltz vom Heimat- und Verkehrsverein (HVV) Höxter und Fallersleben-Arbeitskreis. Für ihn ist Wickert weit mehr als nur ein prägender Nachrichtensprecher: „Er strahlt bei allem, was er tut und sagt, eine erquickende und ansteckende Fröhlichkeit aus.“

Diese Mischung aus Erfahrung, Charisma und Neugier macht den mittlerweile über 80-Jährigen bis heute zu einem gefragten Redner. Auch Höxters Bürgermeister Daniel Hartmann zeigt sich begeistert: „Ich bin ein bisschen Fan von ihm“, gesteht er offen. Gleichzeitig würdigt er Wickert als eine Persönlichkeit, die „für glaubwürdigen Journalismus, internationale Erfahrung und gesellschaftliche Verantwortung steht“. Gerade in einer Zeit politischer und gesellschaftlicher Umbrüche seien solche Perspektiven von besonderer Bedeutung. Die Fallersleben-Rede, die jährlich im Gedenken an den Dichter des Deutschlandliedes stattfindet, steht traditionell unter einem gesellschaftspolitischen Leitgedanken. In diesem Jahr lautet er „Nachdenken über Deutschland“. Was genau Wickert inhaltlich präsentieren wird, bleibt allerdings bewusst offen. Denn der erfahrene Journalist verzichtet auf ein Manuskript und spricht frei. Ein Leitmotiv hat er dennoch vorgegeben: „Beim Machen nie die Lust aus den Augen verlieren.“ In einem persönlichen Schreiben an die Organisatoren betonte Wickert, wie sehr er sich auf den Auftritt freue: „Ich bin mir der Ehre bewusst. Es wird mir ein Vergnügen sein, die Rede im Gedenken an den Dichter der Nationalhymne zu halten.“

Besonders intensiv habe er sich zuletzt mit Fragen der nationalen Identität und einem modernen Heimatbegriff auseinandergesetzt, Themen, die auch in Corvey im Mittelpunkt stehen dürften. Geprägt sind Wickerts Ansichten nicht zuletzt durch seine enge Verbindung zu Frankreich. Als Sohn eines Diplomaten lebte er bereits in jungen Jahren mehrere Jahre im Nachbarland. Später kehrte er als ARD-Korrespondent nach Paris zurück und leitete dort das Studio. Diese internationale Perspektive, gepaart mit journalistischer Erfahrung, verspricht einen differenzierten Blick auf Deutschland und Europa. Organisator Stoltz ist überzeugt, dass „ein gesunder Blick von außen“ die Rede prägen wird. Auch die deutsch-französische Freundschaft dürfte eine Rolle spielen, ein Thema, das nicht nur Wickerts Biografie prägt, sondern auch in Höxter eine besondere Bedeutung hat. Die Stadt unterhält seit Jahrzehnten eine Partnerschaft mit dem französischen Corbie, eine der ältesten nach dem Élysée-Vertrag. Dass kurz nach der Rede Gäste aus der Partnerstadt erwartet werden, unterstreicht die Aktualität dieses europäischen Gedankens. Neben seiner journalistischen Karriere ist Wickert auch als Autor erfolgreich.

Insgesamt 34 Bücher hat er veröffentlicht, darunter Werke über Frankreich, Kriminalromane und Kinderbücher. Diese Vielseitigkeit spiegelt sich auch in seinem Auftreten wider: analytisch, weltoffen und zugleich persönlich. Begleitet wird Wickert bei seinem Besuch von seiner Ehefrau Julia Jäkel, einer bekannten Managerin und Verlegerin. Auch sie ist gesellschaftspolitisch engagiert und war unter anderem an einer Reforminitiative zur Stärkung des Staates beteiligt. Für die Veranstalter ist sie bereits jetzt eine potenzielle Kandidatin für eine zukünftige Fallersleben-Rede. Die Veranstaltung selbst verspricht nicht nur inhaltliche Tiefe, sondern auch ein besonderes Ambiente. Der Kaisersaal in Corvey bietet Platz für maximal 240 Gäste, entsprechend begehrt sind die Tickets. Diese sind ab sofort erhältlich, der Preis beträgt 15 Euro, ermäßigt fünf Euro. Der Erlös kommt auf Wunsch Wickerts einem Gnadenhof im Märkischen Kreis zugute.

Auch optisch setzt die Veranstaltung Akzente: Mit Plakaten im auffälligen Andy-Warhol-Stil werben die Organisatoren für die Rede. Das farbenfrohe Porträt Hoffmanns von Fallersleben hatte bereits im Vorjahr für Diskussionen gesorgt – von Begeisterung bis Kopfschütteln. Dennoch halten die Veranstalter bewusst an diesem modernen Ansatz fest, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und neue Zielgruppen anzusprechen. Ein weiterer Höhepunkt des Vormittags ist die Verleihung des Hoffmann-von-Fallersleben-Preises an Ulrich Wickert. Der mit 3.000 Euro dotierte Preis würdigt nicht nur seine journalistische Lebensleistung, sondern auch sein gesellschaftliches Engagement. Die Botschaft, die der „Mister Tagesthemen“ seinem Publikum mit auf den Weg geben möchte lautet: innehalten, nachdenken und dabei den Blick für das Wesentliche nicht verlieren.

Foto (Archiv): Simone Kube

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